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Interview mit dem Schriftsteller Andreas A. Reichelt

Andreas Artur Reichelt, Jahrgang 1977, lebt im ländlichen Niederbayern. Neben seiner Tätigkeit als Therapeut leitet er regelmäßig Seminare, vor allem zum Thema deutsche Epik und Literatur. Im Jahr 2015 trat er erstmals mit seiner Schreibe an die Öffentlichkeit. Es folgten mehrere Komödien, Novellen und Kinderbücher. 2016 wurde ihm in sechs Kategorien der Planet Award verliehen, unter anderem als »Autor des Jahres 2016« und für sein Erstlingswerk »Saisonabsch(l)uss« als »Buch des Jahres 2016«.

Wenngleich er sehr für das geschriebene Wort schwärmt, gilt doch seine große Liebe seiner Familie. Und seinem Hund, dem »vermaledeiten Haderlump«.

 

Weitere Informationen: www.schriftsteller-andreas-reichelt.weebly.com.

 


 

Andreas A. Reichelt bei einem Schreibseminar für Schüler der 13. Klasse einer beruflichen Oberschule


 

 

 

Lesung anlässlich der Museumsnacht Pfarrkirchen 2017


 

 

Aktuelles Buch (Rezension weiter unten im Blog)


 

 

 

 

 

Erscheint im März 2018 (Vorabrezension weiter unten im Blog)


Der Schriftsteller Andreas Arthur Reichelt stammt aus Bayern und bekam schon für seinen Erstling „Saisonabsch(l)uss“ mehrere Preise. Im Interview spricht er über seine Romane, Novellen und Kinderbücher.

  

Dein neuer Roman „Brezensalzer“ erscheint demnächst im Acabus Verlag. Zusammen mit den Vorgängern „Saisonabsch(l)uss“ und „Haderlump“ ist damit die Trilogie komplett. Schwebte dir von Anfang an ein Zyklus von Romanen vor?

Nein, eigentlich war das ganz anders geplant. Als ich zu schreiben begann, lag meine Motivation darin begründet, dass viele meiner Patienten sich beklagten, keine (Kur-)Urlaubslektüre finden zu können, die nicht regelrecht vor Blut triefte oder von einer Sexszene zur nächsten sprang. Also war die Idee geboren, einen Roman zu schreiben, der schon ein bisschen Spannung aufbaut, aber im Großen und Ganzen eher zum Lachen bringt, amüsiert und unterhält; auf keinen Fall sollte er zum Einnehmen einer höheren Dosis Blutdrucksenker Anlass geben. Nachdem mein Werk dann die 500 Seiten anpeilte, fand ich den Mut, mein Geschreibsel jemandem zu zeigen: der Lektorin Bianca Weirauch. Mit der konkreten Frage, ob denn ein Weitermachen lohnenswert sei, oder ob ich eher nicht zum Autor tauge. Sie zeigte sich begeistert und weiter ging es. Als wir eines schönen Tages eine Zielgruppenanalyse durchführten, zeigte sich die Erkenntnis übermächtig, dass ein Kurgast eher einen linearen Verlauf ohne zu viele Figuren braucht – damit der Leseprozess auch ein paar Tage im Kurstress unterbrochen werden könnte, ohne den Anschluss zu verlieren. Also kürzten wir alles zusammen, passten den Plot an ältere Menschen an – ebenso den Buchsatz und die Schriftgröße – und heraus kam mein Erstling, der sogar zwei Preise erhielt, u.a. als „Buch des Jahres 2016“. Allerding blieb dadurch viel Material übrig, dass dann im „Haderlump“ und im „Brezensalzer“ verarbeitet wurde.

 

Was ist das Besondere an der Hauptfigur?

Zunächst: Er hat bisher keinen Namen. Das liegt darin begründet, dass im ursprünglichen Plan erst gegen Ende des (500-Seiten-) Buches der Name im Rahmen eines über das Buch hinweg aufgebauten Gags bekanntgegeben werden sollte. Da nun aber nach der Analyse der Zielgruppe kürzere Bücher ratsam schienen, erhält der Protagonist erst zum Ende des „Brezensalzer“, also des dritten Romans der Reihe, seinen Namen. Wer aber gut mitdenkt, kann ihn in „Rockabilly Wedding“ schon finden, denn dort taucht er als Nebenfigur auch auf.

Charakterlich handelt es sich bei ihm um ein Weichei, einen Softie, der nichts mehr liebt als seine Familie, die Schöpfung und 5-7 Mahlzeiten am Tag.

 

Du arbeitest selbst als Therapeut. Da drängt sich die Frage nach dem Autobiografischen geradezu auf.

Nun ist es ja für einen Autor in höchstem Maße nützlich, wenn er gewisse Parallelen zu den Protagonisten im eigenen Leben besitzt – die Szenen schreiben sich gewissermaßen im Alltag. Jedoch bin ich vom Typ aus schon ein ganz anderer Mensch. Es mag also Ähnlichkeiten geben, aber deutlich weniger, als man vermuten mag.

 

Verschiedentlich wirst du in Presseartikeln als Krimi-Autor bezeichnet. Gehst du damit konform oder gibt diese Bezeichnung einfach eine gute Headline für einen Artikel ab?

Dem liegt ein einfacher Anfangsfehler zugrunde. Der Saisonabschluss wurde zunächst als Krimi klassifiziert. Obwohl es eigentlich eine Komödie ist, um genau zu sein eigentlich sogar ein sogenannter „Entwicklungsroman“. Für eine zweite Auflage habe ich vom Verlag auch schon die Zusage, dass eine Reklassifizierung vorgenommen wird, hin zur „Bayernkomödie“.

Jedoch wurde ich in der Vergangenheit deswegen oft als „Krimi-Autor“ bezeichnet und viele Redakteure haben das übernommen ohne es zu überprüfen. Was mich etwas nervt. Ich schreibe Komödien, Romane, Novellen, Kinderbücher. Niemals kommt es zu Morden (wie jüngst in einer großen Tageszeitung ausgeführt). Bei manchen Zeitungen vermisse ich die Genauigkeit. Ich glaube nicht einmal, dass das böswillig geschieht. Aber früher nahm sich ein Redakteur lange Zeit für die Recherche um einen kurzen Artikel zu schreiben. Heute jedoch nimmt man sich nur kurz Zeit und schreibt dann aber lange Artikel. Ein Missverhältnis.

Ärgerlich ist es insofern, als dass ich stets betone, kein Krimi-Autor zu sein. Ich stelle die Bücher zur Verfügung, damit sich der jeweilige Journalist überzeugen kann. Aber dann steht wieder etwas ganz anderes in der Zeitung. Und ein potentieller Leser denkt, er kaufe einen Kriminalroman und muss sich dann beim Lesen getäuscht fühlen. „Wo ist hier der Krimi?“, mag er sich fragen.

Deshalb arbeite ich mittlerweile lieber mit dem Radio oder dem Fernsehen. Da kann man wenigstens nichts senden, was ich nicht gesagt habe, wenngleich es dennoch oft anders sortiert wird und auch auf diesem Wege der eigentliche Gesprächsverlauf verändert wird.

Gott sei Dank gibt es aber in allen Medien auch sehr gewissenhafte Redakteure, die dann sehr gute Beiträge produzieren.

 

Wie würdest du denn selbst deine Schreibe charakterisieren? 

Humorvoll. Gewaltfrei. Eine Bloggerin hat mal geschrieben, die Liebe zu meiner Familie und mein Glaube an Gott, sowie die Liebe zu seiner Schöpfung sei in jeder Zeile erkennbar. Find ich gut. So bin ich nämlich auch.

 

Gibt es Themen, die dir wichtig sind?

Familie, Heimat, Schöpfung, Ethik und Moral. Außerdem ist es mir wichtig zu zeigen, dass Gewalt und Sex in der Unterhaltung nichts verloren haben.

 

Welches Ziel verfolgst du mit deinen Büchern?

Ich möchte unterhalten ohne aufzuregen. Ein Lachen schenken. Freude vermitteln. Die Tage meiner Leser ein klein bisschen schöner machen.

 

Darf man schon nach dem neuen laufenden Projekt fragen?

Darf man. Dieses Jahr steht ein Historienroman über die bayerische Volkserhebung von 1705 an. Außerdem wohl Band 3 meiner Kinderbuchserie JoJo & Jules. Und die finale Verarbeitung meiner Serie von Erzählungen mit dem Titel „Literarische Achtsamkeit“ zu einem Printband.

 

Wie bist du auf den historischen Stoff gekommen?

Lange Geschichte.

Zunächst stieß ich darauf, dass der Führer des Bauernaufstandes Georg Sebastian Plinganser sowohl in Pfarrkirchen als auch in Postmünster als „Sohn des Ortes“ geführt wird, was beides auch auf mich zutrifft. Da wurde ich gewahr, dass ich über den Burschen überhaupt nichts weiß. Also recherchierte ich ein wenig und fand Gefallen daran. Meine Eltern hatten in Aidenbach ein Wirtshaus, er war auch Wirtssohn. Und die Volkserhebung wurde in Aidenbach niedergeschlagen.

Mein Vater hat in den 80er Jahren die Kulissen für das Festspiel „Lieber bayerisch sterben“ gebaut, das genau diese Vorgänge thematisiert.

Als ich dann noch mit einigen wichtigen Leuten bei den Europäischen Festspielwochen in Kontakt trat, stand endgültig fest, dass ich darüber mal einen Roman schreiben möchte.

An geschichtlichen Ereignissen habe ich großen Gefallen, wenngleich die bayerische Volkserhebung zu den dunkelsten Kapiteln Bayerns gehört. Viele Menschen hatten großes Leid zu ertragen. Von beiden Seiten. Wer war der Mensch Georg Sebastian Plinganser? Dieser Frage möchte ich auf den Grund gehen und die Antwort in einem Roman verarbeiten.

 

Wie muss man sich die Recherche vorstellen?

Aufwendig. Ich habe mehrere Geschichtsbücher durchgearbeitet, mit Historikern gesprochen, durfte mich mit den Requisiten des Freilichtspiels zum Thema vertraut machen. Ich besuchte Denkmäler und die Örtlichkeiten wichtiger Ereignisse. Nahm Kontakt zu anderen Autoren von Historienromanen auf, ließ mir Tipps zum Schreibstil geben (Ich werde in relativ modernem Deutsch schreiben, damit die Thematik nachvollziehbarer wird).

 

Ist die Veröffentlichung noch in diesem Jahr projektiert?

Nein, also voraussichtlich wird der Roman im März 2019 erscheinen. Wenn ich es schaffe.

 

Vielen Dank.


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