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Till Sailer: „Chopin in Polen“ – Ein Reisebuch

Buchbesprechung


„Hut ab, ihr Herren, ein Genie!“, schrieb einst Robert Schumann über den brillanten Poeten am Piano, der auch heute noch vielen als die Galionsfigur der Romantik gilt. Nicht nur Polen feierte das Jahr 2010 als Chopin-Jahr mit Konzerten, Ausstellungen und Festivals. Zum 200. Jubiläum legte Till Sailer mit „Chopin in Polen“ ebenfalls ein Buch vor. Dafür hat der ehemalige Otterndorfer Stadtschreiber die Oder-Neiße-Grenze überquert und Gedenkstätten aufgesucht, die an Kindheit und Jugend des Klavierlyrikers erinnern.
Herausgekommen ist ein „Reisebuch“, das Elemente der Biografie mit denen eines Reiseführers in unterhaltender Weise miteinander verbindet. Aufgelockert wird der Text durch Schwarzweiß- und Farbaufnahmen, deren privater Schnappschusscharakter das Persönliche des Buches hervorhebt.
In sieben Hauptkapiteln spürt Sailer die prägenden Wurzeln des Komponisten auf, ob in dem Dörfchen Żelazowa Wola bei Warschau, im Gutshaus von Szafarnia oder im idyllischen Duszniki Zdrój, dem ehemaligen Bad Reinerz. Den Leser erwartet in diesen literarischen Mazurken eine konzise und dennoch detailreiche Überschau der ersten zwanzig Lebensjahre Chopins, die die Gegenwart durch persönliche Impressionen vom heutigen kulturellen Leben der Chopin-Museen bruchlos mit einbindet.
Interessanterweise war auch für Chopin der wohl polnischste aller Tänze stets eine Art Reisetagebuch gewesen. Ungefähr sechzig dieser leicht federnden, sehnsuchtsgetränkten Weisen bereichern sein Oeuvre. Und es ist kaum Zufall zu nennen, dass er noch auf dem Totenbett an einer Mazurka als letzter Komposition feilte.
Doch was Generationen von Klavierspielern bis heute klingender Seelenbalsam ist, das deutete der scharfsichtige Zeitgenosse Schumann mit Blick auf die politische Sprengkraft dieser Musik als „unter Blumen eingesenkte Kanonen“.
Eingedenk des geschichtsbelasteten Verhältnisses mit dem östlichen Nachbarstaat, möchte Sailer mit dem Reisebuch einen Beitrag zur Förderung der deutsch-polnischen Annäherung leisten. Es soll Lust machen, selbst aufzubrechen und auf den Spuren Chopins Land und Leute zu entdecken.

Matthias Schneider-Dominco

Till Sailer: Chopin in Polen. Ein Reisebuch, Trafo Literaturverlag, Berlin 2010. 132 Seiten, ISBN 978-3-89626-736-8, 14,80 Euro.

(Werbekennzeichnung nach dem §§ 2 Nr. 5 TMG (Telemediengesetz) ff)

   

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